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November 5th, 2009

Wie fühlt man einen Kaugummi?

  • Nov. 5th, 2009 at 8:40 PM
salinas

Versuch einer Produktkritik.

«Trident senses berührt Ihre Sinne. Sind Sie bereit für ein unvergessliches Geschmackserlebnis?
», fragt mich die Werbung des «beliebtesten Kaugummis der Schweiz». Ja, bin ich. Bitte schön, einmal unvergessliches Geschmackserlebnis für mich. Geschmacksrichtung: watermelon sunrise.

«Drei Franken zwanzig», sagt der Kioskverkäufer und lächelt. Sehr lustig. Drei Franken zwanzig für vierzehn Kaugummis. Die schreiben das auch noch gleich gross zuvorderst auf die Packung: 14 Gums. Macht dreiundzwanzig Rappen pro Kaugummi. Die Packung dieses neuartigen Kaugummis mutet edel an: eine ungefähr kreditkartengrosse Kartonschachtel. Auf schwarzem Hintergrund prangt der silbern glänzende Schriftzug «senses» und darunter leuchtet ein regenbogenfarbener, geschwungener Streifen. Drum herum ist, wie bei solchen Produkten üblich, eine durchsichtige Plastikhülle angebracht. Der Geschmack soll ja konserviert werden. Öffnet man die Schachtel, präsentieren sich zwei «Kammern» mit je sieben Kaugummis, hübsch angeordnet. Eine Art «Kaugummibriefchen» mit viel unnötigem Karton und Papier. «Innovative Verpackung», nennt der Hersteller diese Unsinnigkeit.

Kaum ist der Plastikbezug entfernt, schwappt einem ein starker Geruch entgegen. Ein süsser, beissender Geruch nach Chemie. Es riecht wie im Innenhof der Novartis. Erinnern tut der Geruch nicht unbedingt an eine Wassermelone. Aber immerhin an die anderen chemisch erzeugten Wassermelonengeschmäcker, denen man im Leben schon mal begegnet ist. Dass der Geruch so stark wahrgenommen wird, ist kein Zufall. Genau das ist das Ziel von Trident: In eine neue
«Sinneswelt» will uns dieser Kaugummi entführen. Man soll ihn sehen, riechen, schmecken – und sogar fühlen!

Naja, gehen wir mal zum «Schmecken» über. Da stellt sich bereits die nächste Unannehmlichkeit ein. Der Kaugummi ist kaum aus seiner «innovativen Packung» herauszukriegen. Man muss ihn regelrecht aus der Schachtel zerren. Wem dabei nicht die Verpackung oder zumindest das Papierchen um den einzelnen Kaugummi kaputt geht, muss mit den Dingern schon Erfahrung haben und eine ausgeklügelte Strategie zur Entnahme des Kaugummis entwickelt haben.

Positiv überraschen kann der Kaugummi dann doch noch: Der Geschmack, der sich im Mund ausbreitet – seine eigentliche Bestimmung – ist intensiv und frisch, aber nicht betäubend penetrant. Ein «unvergessliches Geschmackserlebnis» ist allerdings zu viel versprochen.

Bleibt noch das Versprechen «Fühlen». Die Kaumasse in meinem Mund fühlt sich…ähm…gummig an. Ja, gummig. Und feucht, natürlich. Sie ist ja in meinem Mund. Sie ist recht fest und widerstandsfähig. Nur geht es hier schon bald mehr um die Beschaffenheit des Kaugummis, als um das Gefühl, das er vermittelt. Also noch ein Versuch: Wie fühlt sich dieser extravagante Kaugummi an? Hm. Schmatz. – Verdammt, halt eben so, wie sich ein Kaugummi einfach anfühlt. Gummig, eben!


Fragen, die mich um den Schlaf bringen:

  • Nov. 5th, 2009 at 8:49 PM
salinas





Habe ich alles erledigt, was heute auf der Liste stand?
Wieso sind wir Menschen dermassen machthungrig?
Wieso gibt es Dinge, die wir niemals lernen können, obwohl wir scheinbar so intelligent sind?
Warum liege ich hier und wälze mich, anstatt einzuschlafen?
Liebt mich mein Freund wirklich?
Bin ich ein guter Mensch?
Wann habe ich zuletzt meine Eltern besucht?
Sind sie stolz auf mich?
Ist das wichtig?
Habe ich den Wecker gestellt?
Wann muss ich denn schon wieder aufstehen morgen früh?
Habe ich gute Arbeit abgeliefert?
Wann kann ich das nächste Mal etwas Zeit in der Natur verbringen?
Habe ich die Herdplatte abgeschaltet?
Was treibt einen Menschen tatsächlich an?
Was mache ich, wenn ich alt und dumm bin?
Habe ich heute wieder zu viel gegessen?
Wie lange wird es wohl gehen, bis sich meine Lunge von der jahrelangen Raucherei erholt hat?
Was mögen die Leute in Brasilien gerade tun?
Wie zum Teufel soll ich den ganzen Text fürs Theaterstück in meinen Kopf kriegen?
Worüber soll ich meine Bachelorarbeit schreiben?
Werde ich einen Job kriegen nach dem Studium?
Soll ich noch weiter studieren?
Kümmere ich mich zu wenig um meine Freundschaften?
Sollte ich grundsätzlich mehr schlafen?
 

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