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Symbole des Friedens oder Symbole der Macht?

  • Nov. 29th, 2009 at 10:25 PM
salinas
Ein tiefschwarzer Tag geht zur Neige.
Ich bin fassungslos und zutiefst enttäuscht. Ich bin traurig. Und irgendwie wütend. Konfus auch. Ich weiss nicht, was ich denken oder sagen soll. Verstehe die Welt nicht, verstehe die Schweiz nicht, verstehe uns nicht.
Und als ich an diesem verwirrenden, pechschwarzen Tag nach Hause fahre, mit dem Tram durch Zürich, da werde ich noch trauriger. Die Stadt ist überzogen mit weihnachtlichen Lichtern. Die warmen Lämpchen strahlen an diesem Abend aber nicht die gewohnte Harmonie aus. Sie wirken kalt und bestimmt. Sie markieren eine Machtposition und demonstrieren den Willen zum Machterhalt. In meinen Augen wird aus der hübschen Beleuchtung eine hässliche Drohung. Hier haben die Platzhirschen Zeichen gesetzt. Für andere religiöse Symbole lassen sie keinen Raum mehr. Und es wird mir bange. Denn ich muss unweigerlich an brennende Synagogen denken. Stossgebet.

Die Küche hinter dem Vorhang

  • Nov. 15th, 2009 at 12:33 PM
salinas
Ein grauer Vormittag im Restaurant Casinotheater. Es ist elf Uhr. Die Tische sind gedeckt, die meisten noch leer. An den Bistrotischchen neben der Bar jedoch sitzen etwa zehn junge Leute, ganz in Weiss gekleidet. Sie rauchen und trinken und bald beginnen sie auch zu essen. Alles gleichzeitig. Das Küchenpersonal geniesst vor dem grossen Ansturm die eigene Mittagspause. Im Kontrast dazu stehen die Damen an der Bar: Ganz in Schwarz gekleidet hantieren sie geschäftig an den Kühlschubladen und der Kaffeemaschine. An den Bistrotischen macht sich eine familiäre Stimmung breit. Einer der Köche erzählt eine Geschichte und reibt sich dabei ständig den Bart. Er ist noch jung, raucht eine Zigarette nach der anderen und schaut etwas hilflos aus der weissen Schürze. An der Bar sind sie inzwischen bereit für den Ansturm und gönnen sich ebenfalls eine Pause. Nun, da sich auch eine der Bardamen mit einer Zigarette in der Hand an den Tisch des bärtigen Koches setzt, verflüchtigt sich sein hilfloser Blick in Sekundenschnelle und er strahlt. Doch die Freude währt kurz: Gleich steht er auf, zerknüllt sein Tischset, drückt die Zigarette aus und geht mit schleppendem Gang, als koste es ihn grosse Überwindung, in die Küche zurück. Nächste Runde. Die Bardame jedoch folgt ihm kurz danach. Was hinter den Kulissen im Casinotheater geschieht, wissen nur die Eingeweihten.

Fragen, die mich um den Schlaf bringen:

  • Nov. 5th, 2009 at 8:49 PM
salinas





Habe ich alles erledigt, was heute auf der Liste stand?
Wieso sind wir Menschen dermassen machthungrig?
Wieso gibt es Dinge, die wir niemals lernen können, obwohl wir scheinbar so intelligent sind?
Warum liege ich hier und wälze mich, anstatt einzuschlafen?
Liebt mich mein Freund wirklich?
Bin ich ein guter Mensch?
Wann habe ich zuletzt meine Eltern besucht?
Sind sie stolz auf mich?
Ist das wichtig?
Habe ich den Wecker gestellt?
Wann muss ich denn schon wieder aufstehen morgen früh?
Habe ich gute Arbeit abgeliefert?
Wann kann ich das nächste Mal etwas Zeit in der Natur verbringen?
Habe ich die Herdplatte abgeschaltet?
Was treibt einen Menschen tatsächlich an?
Was mache ich, wenn ich alt und dumm bin?
Habe ich heute wieder zu viel gegessen?
Wie lange wird es wohl gehen, bis sich meine Lunge von der jahrelangen Raucherei erholt hat?
Was mögen die Leute in Brasilien gerade tun?
Wie zum Teufel soll ich den ganzen Text fürs Theaterstück in meinen Kopf kriegen?
Worüber soll ich meine Bachelorarbeit schreiben?
Werde ich einen Job kriegen nach dem Studium?
Soll ich noch weiter studieren?
Kümmere ich mich zu wenig um meine Freundschaften?
Sollte ich grundsätzlich mehr schlafen?
 

Wie fühlt man einen Kaugummi?

  • Nov. 5th, 2009 at 8:40 PM
salinas

Versuch einer Produktkritik.

«Trident senses berührt Ihre Sinne. Sind Sie bereit für ein unvergessliches Geschmackserlebnis?
», fragt mich die Werbung des «beliebtesten Kaugummis der Schweiz». Ja, bin ich. Bitte schön, einmal unvergessliches Geschmackserlebnis für mich. Geschmacksrichtung: watermelon sunrise.

«Drei Franken zwanzig», sagt der Kioskverkäufer und lächelt. Sehr lustig. Drei Franken zwanzig für vierzehn Kaugummis. Die schreiben das auch noch gleich gross zuvorderst auf die Packung: 14 Gums. Macht dreiundzwanzig Rappen pro Kaugummi. Die Packung dieses neuartigen Kaugummis mutet edel an: eine ungefähr kreditkartengrosse Kartonschachtel. Auf schwarzem Hintergrund prangt der silbern glänzende Schriftzug «senses» und darunter leuchtet ein regenbogenfarbener, geschwungener Streifen. Drum herum ist, wie bei solchen Produkten üblich, eine durchsichtige Plastikhülle angebracht. Der Geschmack soll ja konserviert werden. Öffnet man die Schachtel, präsentieren sich zwei «Kammern» mit je sieben Kaugummis, hübsch angeordnet. Eine Art «Kaugummibriefchen» mit viel unnötigem Karton und Papier. «Innovative Verpackung», nennt der Hersteller diese Unsinnigkeit.

Kaum ist der Plastikbezug entfernt, schwappt einem ein starker Geruch entgegen. Ein süsser, beissender Geruch nach Chemie. Es riecht wie im Innenhof der Novartis. Erinnern tut der Geruch nicht unbedingt an eine Wassermelone. Aber immerhin an die anderen chemisch erzeugten Wassermelonengeschmäcker, denen man im Leben schon mal begegnet ist. Dass der Geruch so stark wahrgenommen wird, ist kein Zufall. Genau das ist das Ziel von Trident: In eine neue
«Sinneswelt» will uns dieser Kaugummi entführen. Man soll ihn sehen, riechen, schmecken – und sogar fühlen!

Naja, gehen wir mal zum «Schmecken» über. Da stellt sich bereits die nächste Unannehmlichkeit ein. Der Kaugummi ist kaum aus seiner «innovativen Packung» herauszukriegen. Man muss ihn regelrecht aus der Schachtel zerren. Wem dabei nicht die Verpackung oder zumindest das Papierchen um den einzelnen Kaugummi kaputt geht, muss mit den Dingern schon Erfahrung haben und eine ausgeklügelte Strategie zur Entnahme des Kaugummis entwickelt haben.

Positiv überraschen kann der Kaugummi dann doch noch: Der Geschmack, der sich im Mund ausbreitet – seine eigentliche Bestimmung – ist intensiv und frisch, aber nicht betäubend penetrant. Ein «unvergessliches Geschmackserlebnis» ist allerdings zu viel versprochen.

Bleibt noch das Versprechen «Fühlen». Die Kaumasse in meinem Mund fühlt sich…ähm…gummig an. Ja, gummig. Und feucht, natürlich. Sie ist ja in meinem Mund. Sie ist recht fest und widerstandsfähig. Nur geht es hier schon bald mehr um die Beschaffenheit des Kaugummis, als um das Gefühl, das er vermittelt. Also noch ein Versuch: Wie fühlt sich dieser extravagante Kaugummi an? Hm. Schmatz. – Verdammt, halt eben so, wie sich ein Kaugummi einfach anfühlt. Gummig, eben!


Hauptsachen

  • Oct. 31st, 2009 at 10:42 PM
salinas
Soll nochmal jemand sagen, die kleinen Dinge seien nebensächlich. Sind sie nicht. Sie sind bedeutend. Elementar. Grundlegend. Ausschlaggebend. Fundamental. Massgeblich. Sie sind entscheidend, die kleinen Dinge. Ein Blick, ein kurzes Telefongespräch, ein Lächeln, vielleicht auch nur ein gelesener Satz: unverzichtbar und wichtig.

Genau heute muss es sein

  • Oct. 30th, 2009 at 6:41 PM
salinas
Gefühlt stundenlang, tatsächlich mindestens minutenlang, bin ich vor diesem Gestell gestanden und habe das Teil angestarrt. Hab' es angefasst und aufgehoben. Habe es genausestens studiert. Es in meinen Händen gedreht und gewendendet und alles gelesen, was es darauf zu lesen gab. Und hab' es wieder zurückgelegt, in dieses Kühlregal in dieser prall überfüllten Migros (zwei "M"). Mindestens zweimal hab' ich es zurückgelegt. Dann hab' ich den nicht ganz so prall gefüllten Wagen in Richtung Fischabteilung und danach Richtung Kasse geschoben. Und bin wieder zurück zu diesem Kühlregal! Ich kann mich ja nicht erinnern, wann ich zuletzt ein richtiges Stück Fleisch gegessen, geschweige denn selber dafür bezahlt hätte. Aber heute, da habe ich mir ein Pferdesteak (!) geleistet. Ein einzelnes. Nur für mich. Es war grad Aktion. 7 Franken 15 hat's gekostet.

Es soll ja hier nicht klingen, als würde ich am Hungertuch nagen und am Rande der tiefsten Armut leben. So ist es überhaupt nicht. Beim Fleisch fällt es mir einfach am leichtesten, zu sparen. Auch andere Produkte sind ja schweineteuer. Man denke nur an frisches Gemüse. Oder an Kaffee! Darauf wollt' ich wirklich nicht verzichten müssen. Beim Fleisch fällt's mir leichter. Aber eben, manchmal muss man sich auch etwas gönnen. Und mir steht ein arbeitsreicher Freitagabend bevor. Da hat man doch auch mal was verdient, nicht wahr.

Ich komme also nach Hause mit dem Pferdesteak (!) für 7 Franken 15 im Gepäck und schalte den Transistor ein. Und was höre ich als allererstes? Heute ist WELTSPARTAG. Aha. Heute.
Geil! Gibt es einen besseren Tag, nicht zu sparen, als den Weltspartag?! Unmöglich. Ich habe mir ganz definitiv den allerallerbesten Tag dazu ausgesucht. Wer anderer Meinung ist, soll sich die doch auch gleich sparen, bitte.

Silvio, it's time to go

  • Oct. 22nd, 2009 at 3:18 PM
italia
Ein Auszug aus dem Beitrag von Christopher Dickey in der Newsweek vom 19. Oktober 2009:

«Just because he (Berlusconi) can stay in power doesn't mean he should, however. Its high time for Italy to draw a line. It's neither conspiratorial nor condescending to say, Silvio, it's time to go. It's just common sense.
In the United States there's a saying: 'Friends don't let friends drive drunk.' Berlusconi has never been a tippler, but it's obvious with every passing day that he's drunk on power and drunk on himself - and that if he stays at Italy's wheel, he's likely not only to wreck the country but also to damage Europe and possibly even the North Atlantic alliance.»

Ja. Es gab mal eine Zeit, da hatten die Italiener noch einen gewissen Stolz. Heute akzeptieren sie diesen beschämenden Zustand einfach.

Die Welt der Anderen

  • Sep. 25th, 2009 at 2:12 PM
salinas
Heute war ich mal wieder in einer Frauenmission unterwegs. Ein kleines, kurzes Porträt von einer erfolgreichen Frau und Wissenschaftlerin. Leiterin eines Instituts an der School of Engenieering der ZHAW. Für eine Sonderaussellung an der Berufsmesse, die unter dem Gender-Thema läuft. Naja, wie auch immer. Ich hab' also die Linguistik-Welt in Winterthur kurz verlassen und bin in Richtung Technikum gestapft.

Und dort ist alles anders. Alles. Die Wände sind grauer, die Leute sind ruhiger. Da gibt's nicht diesen Wettbewerb um Aufmerksamkeit wie bei uns in der Kommunikationsecke. Weil da eh meistens alle aufmerksam und ruhig sind. Wenn einer spricht, fällt er auf. Und hat damit die Aufmerksamkeit, die er braucht. Ja, er. Meistens. Natürlich gibt's beim Technikum auch heute nicht sehr viele Frauen. Das lässt sich schon an der Einrichtung der Gebäude erkennen. Als erstes wollte ich nämlich mal kurz für kleine Mädels, als ich da in die grau bewandeten Gänge und Zimmer getreten bin. Also suchte ich eine Toilette. Eine mit diesem Mädchen-Zeichen. Das mit dem Röcklein. Obwohl ich wie meistens gar keinen Rock trug. Egal. Ich suchte eine Damentoilette. Drei Stockwerke hab' ich abgesucht. Rauf und runter. Und als ich endlich, endlich eine Damentoilette fand, sah ich etwas, was ich in solchen Gebäuden noch kaum je gesehen hatte: Eine einzige Schüssel. Ich meine, da gibts nur eine einzige Toilette in der Damentoilette. Unvorstellbar. Bei "uns" drüben gibt's pro Stockwerk sechs Damentoiletten und immer steht man Schlange bis in die Gänge. Also, frau, vor allem, steht Schlange. Eindrücklich fand ich das. Wirklich eindrücklich. Und ich war grad zusätzlich motiviert für diese Aufgabe, für die ich gekommen war. Zeigen wir mal der Welt, dass in einem Technik-Betrieb viel mehr Frauen Platz hätten. Ausser sie haben eine schwache Blase...

Sep. 10th, 2009

  • 11:00 PM
salinas
So. Und wenn jetzt mal bitte für ungefähr fünf - nein, zehn - Minuten die Welt aufhören könnte, verrückt zu spielen, dann könnte ich vielleicht diese kurze Zeit nutzen, um herauszufinden, ob uns hier jemand zum Narren hält, oder ob das nun alles wirklich ist wie's ist. Bitte. Danke.

Sep. 10th, 2009

  • 10:19 PM
salinas
Schon komisch. Wenn's grad mal wieder zu und her geht wie auf einem Reisebüro mit integriertem Sozialamt, angehängter Schreibstube und eingelagertem Call-Center, dann (klingelt doch genau tatsächlich das Telefon! Zweimal hintereinander! Ganz ohne Scherz!) möchte man irgendwie eine Regelmässigkeit. Eine Ordnung. Einen organisierten Ablauf. Eine Abfolge von geplanten Tätigkeiten. Eben eine Regelmässigkeit. Und dann will man sie schon ganz bald wieder los werden. Dann denkt man: «Jetzt könnte eigentlich langsam mal wieder etwas Spannendes passieren.» Jaja. Und dann passiert nichts. Und dann sitzt man plötzlich mitten in einem Reisebüro mit integriertem Sozialamt, angehängter Schreibstube und eingelagertem Call-Center.

Nebensachen

  • Aug. 31st, 2009 at 12:07 PM
salinas
Zu Hause bei Püss: Drei Mädels hängen auf den Sofas rum und blättern in farbigen Heftchen, zeigen sich Bilder schöner Männer und erzählen einander kurze Anekdoten aus ihrem Leben... Dieses Bild gaben wir wohl schon vor zehn, fünfzehn Jahren ab. Und tatsächlich fühlt es sich nicht viel anders an. Nur ein wenig anders. Nebensächliches hat sich in diesen langen Jahren geändert. Zum Beispiel, dass wir alle ein wenig an Naivität eingebüsst haben. Dass wir unsere Erwartungen an das Leben etwas angepasst haben. Dass wir inzwischen wissen wie es ist, zu lieben. Und auch wissen, wie es ist, verlassen zu werden. Und vor allem: Die Horizonte haben sich verschoben....
Das Bild passt sich also an. Die Mädels haben den Sirup zuerst gegen Martini eingetauscht, dann wich der Martini dem Tee. Und die Bravo-Heftchen dem "wir Eltern"-Magazin, die Modehefte den Babykleider-Katalogen. Die Witze sind geblieben, die Ironie ist noch da und der Spass ist einfach anders verpackt worden. Es hat sich nur Nebensächliches geändert.

Jun. 22nd, 2009

  • 12:03 AM
salinas
e no final das contas... - não, deixamos cair. o final das contas não existe... mas é uma verdade que se mostra pelo menos no final de cada dia: a gente fica só. pela vida inteira.

Schuld sind wir alle

  • Jun. 18th, 2009 at 10:12 PM
salinas
Gratiszeitungen mag ich nicht. Sie sind doof. Saudoof. Ich könnte hier eine ganze Liste an Dingen anbringen, die mich an den Gratiszeitungen stören. Aber das ist nicht nötig. Das kann ich auch ganz kurz zusammenfassen: Alles stört mich daran, ich mag sie grundsätzlich nicht. Trotzdem habe ich heute seit langem wieder einmal einen «Blick am Abend» von einem Tramsitz geklaubt und darin geblättert. Nur um wieder einmal festzustellen, dass ich sie nicht mag. Grosse, abscheuliche Lettern sprangen mir da entgegen: «Schweizer Jugend spinnt». Was folgte, war eine reine Aufzählung trauriger Vorfälle, die sich seit Anfang Jahr im Zusammenhang mit gewalttätigen Jugendlichen ereignet haben. Mehr nicht. Punkt. Bericht zu Ende. Was diese schlechte Zeitung auf diese scheussliche Art zuspitzt, findet sich aber auch in anderen Tageszeitungen. Die Schlagzeilen sind vielleicht moderater, die Aussage ist es nicht. Sie bleibt immer dieselbe.

Was soll denn eigentlich der ganze Scheiss? Wie kommen wir dazu, die Jugend dermassen abzustempeln, wenn einige wenige einmal im Leben absolut austicken? Natürlich sind die Vorfälle tragisch. Sie sind auch alarmierend, ja. Wir sollen nicht wegschauen, nein. Aber so simpel ist die Sache nun mal eben nicht. Es sind nicht einfach «die Jugendlichen», die plötzlich durchdrehen und gewalttätig werden. Und wenn, dann auch nicht einfach mal so. Die Generation der Erwachsenen kann nicht bloss auf die jüngere Generation zeigen und sie abstempeln und danach weitermachen wie gewohnt. Wer kann denn den Jugendlichen eine valable Perspektive bieten? Welche Aussichten hat wohl die junge Generation, wenn sie sich die ältere anschaut? Erwartungen richten wir an sie. Enorm hohe sogar. Aber ernst nehmen wollen wir sie gleichzeitig nicht. Und wir denken auch nicht an sie, wenn wir dafür sorgen, dass es uns selber gut geht in der Gegenwart. Was wir heute verbocken, baden sie später für uns aus. Wie wir heute leben, spiegelt sich in krasser Weise in der Jugend wieder: Nach mir die Sintflut. Die Gesellschaft sind wir alle. Auch die Jugendlichen. Sie gehören dazu und sie müssen sich wie alle Gesellschaftsgruppen getragen fühlen.

Ich will nicht sagen, dass man gewalttätige Jugendliche verhätscheln soll. Um das geht es hier nicht. Natürlich müssen sie zurechtgewiesen werden. Spürbar zurechtgewiesen werden. Natürlich müssen wir derartiges Verhalten verurteilen. Aber wir müssen die grosse Mehrheit, die sich alle Mühe gibt, in dieser komplizierten Welt zurechtzukommen und ihren Beitrag an die Gesselschaft zu leisten, aus diesen Sanktionen ausschliessen. Sie gehören nicht an den Pranger. Die Jugend hat ein Recht auf Achtung und darauf, mit ihren Bedürfnissen ernst genommen zu werden. Es geht einfach nicht an, dass wir ganz bequem so tun, als seien die Jugendlichen an allem Schlechten schuld, das entsteht. Wir sind es alle.
Gopfertammi.

Liebeserklärung an Pingeli

  • Jun. 11th, 2009 at 4:49 PM
salinas
Meine Liebe,

Gerade hat mich das Bedürfnis überfraut, dich hier einmal ganz offen und öffentlich zu preisen. Du erlaubst es mir bestimmt.

Deine Einzigartigkeit erfüllt mich mit Freude und Heiterkeit und lässt mich staunen. Ich liebe es, dich immer wieder neu kennenzulernen. Mit dir zu quatschen gehört zu meinen allerliebsten Beschäftigungen. Mit dir zu lachen ebenfalls. Zu trauern sowieso. Und auch mit dir nächtelang zu tanzen und zu feiern, Hunderte von Kilometern zu laufen, stundenlang zu schweigen und ausgiebig zu trinken. Deine Geduld mit mir ist ein grosses Geschenk - gerade weil du nicht zu den allergeduldigsten Menschen dieser Welt gehörst. Die Vehemenz, mit der du für deine Werte und Ideologien kämpfst, beeindruckt mich - und sie geht mir manchmal auf diese wunderschöne Weise auf den Sack. Das Schönste daran ist, dass du mir das nicht übel nimmst. Wir sind beide nicht mehr, was wir einmal waren. Aber unsere Verbundenheit ist geblieben. Schön ist das. Wirklich schön.

Empörung aus Liebe

  • Jun. 11th, 2009 at 2:10 PM
salinas
Der Capo ist eine äusserst schlaue Witzfigur mit fast grenzenloser Potenz, das tatsächlich funktionierende System ist undurchsichtig, verkappt, verfilzt. Der Müll stinkt zum Himmel. Die Machtlosen scheinen oft taub und stumm, die wenigen Mutigen hilflos. Abgesehen vom Capo bleiben die Mächtigen im Untergrund.
Aber die Menschen sind herzlich, haben einen Sinn für das Wesentliche. Ihre Sprache ist mehr denn ein Kommunikationsinstrument eine variantenreiche Form des persönlichen Ausdrucks. Die Landschaften sind atemberaubend. Die Schönheit ihrer Musik liegt in der Einfachheit und Emotionalität. Die Luft fernab der Müllberge riecht nach Heimat. Ich kann nicht anders, ich liebe dieses Land. Und gerade deshalb erzürnt es mich immer wieder.... - Flucht in die humorvolle Betrachtung:





Schreibe vom Nicht-Schreiben

  • Jun. 8th, 2009 at 11:38 PM
salinas
Wollte einen Brief schreiben. An Leute, die ich mag und die ich grässlich vermisse. Und hab's doch nicht getan. Mensch. Vielleicht schaff ich's noch vor Sonnenaufgang. Vielleicht mag ich einfach nicht schreiben, den Leuten, die ich so mag. Weil ich sie eben so vermisse. Und dann vermisse ich sie noch mehr und will doch eigentlich gar nicht dran denken, wie sehr ich sie vermisse. Und grad tue ich's ja doch. Könnte ebensogut den Brief schreiben. Sie würden sich freuen. Und wüssten obendrein, dass ich sie eben so vermisse. Ob sie das überhaupt wissen wollen?

Wenn die Limmat sprechen könnte...

  • Jun. 5th, 2009 at 3:01 PM
salinas
Hübsche Uferlandschaften
Schöne Menschen
Blöde Köter
Fahrradparade
Hässliche Menschen
Stinkender Abfall
Spannende Gespräche
Vielsagende Blicke
Gnadenloses Geläster
Philosophische Gedanken
Hundsgemeine Intrigen
Tausende iPods
Nerventötendes Kindergeschrei
Widerwärtige Angelhaken
Superkreative Klingeltöne
Grüne Bikinis
Als Ghettoblaster missbrauchte Handys
Rote Bikinis
Einmalige Begegnungen
Lila Badeslips
Lautes Gelächter
Blödes Gelaber
Dumme Anmachen
Literweise Tränen
Nichtssagende Blicke

May. 22nd, 2009

  • 6:19 PM
salinas

«Sichern Sie sich Ihre Prämie!»
«Mach mit und gewinne!»
«Werden auch Sie Hauseigentümer!»
«Lade dir jetzt den neuen Klingelton aufs Handy!»
«Mach mit bei der Stickermania! Kauf dir jetzt das Sammelalbum!»
«Teste die Alpenfrische!»

Diese Imperative. Und immer diese Ausrufezeichen!!

Würde unser/e Vorgesetzte/r so mit uns sprechen, wenn wir Aufträge entgegennehmen, wir würden wahrscheinlich einmal ein ernsthaftes Wörtchen mit ihm oder ihr reden wollen. Das geht ja schliesslich gar nicht. Eine Frage des Anstandes – auch gegenüber Untergebenen. Aber von all den Anbietern von Was-weiss-ich-was lassen wir uns das bereitwillig gefallen. Einfach so. Lassen uns rumkommandieren. Wie Untergebene. Klar, wir müssen ja nicht darauf hören. Tun’s natürlich auch nicht. Oder doch? Wird der Imperativ in der Werbung dermassen viel benutzt, weil er so wirksam ist? Vielleicht lassen wir uns einfach alles vorschreiben, ohne dass wir es realisieren. Sind quasi ferngesteuert. Funktioniert möglicherweise. Wir brauchen wohl Anweisungen und Anleitungen fürs Leben. All die tausend Entscheidungen tagtäglich – da sind wir froh, wenn uns die eine oder andere abgenommen wird und wir einfach tun können, was uns eben befohlen wird. Eine Frechheit ist das. Aber wir lassen sie uns gefallen.